Anno Schreier - Astolfo auf dem Mond

Das Sinfonieorchester Aachen hat am 19.und 20. Oktober 2014 ein neues Werk des aus Imgenbroich stammenden Komponisten Anno Schreier vorgestellt. Das neue Stück heißt „Astolfo auf dem Mond“ und wurde von dem Orchester für das Jubiläumsjahr zum 1200. Todestag Karls des Großen in Auftrag gegeben. Die Stadt Aachen stand im Jahre 2014 ganz im Zeichen dieses Gedenkens, u.a. mit einer dreiteiligen Ausstellungsserie, die auch überregional große Beachtung fand.

Anno Schreiers Stück stellte sich allerdings deutlich außerhalb dieses „offiziellen“ Gedenkens. Das neue Werk ließ hörbar werden, daß sich Schreier in den letzten Jahren als Autor vornehmlich im Rahmen des Musiktheaters profiliert hatte. Auch für sein Karls-Werk hatte er sich eine dramatische Episode ausgesucht, die er in Ludovico Ariostos Renaissance-Epos „Orlando furioso“ fand. Auch dieses Epos bezieht sich ja auf Karl den Großen und sein Umfeld, allerdings deutlich distanziert und ironisch. „Orlando“ ist niemand anderes als Roland, Karls berühmter Paladin. Ariost läßt ihn freilich ein wenig heldenhaftes Schicksal erleiden. Er gerät aus Liebe zu einer chinesischen Prinzessin derart aus der Bahn, daß er als „Rasender“ zur Gefahr für die Umwelt und speziell für Karls kriegerische Vorhaben wird. Und da nun Rolands verlorener Verstand ausgerechnet  auf dem Mond aufbewahrt wird, macht sich Rolands Paladin-Kollege Astolfo mit der Hilfe des Evangelisten Johannes auf den Weg dorthin und holt den Verstand zurück.

Schreiers Konzertstück ist musikdramatisch besetzt mit Chor, Solisten und großem Orchester. Ein Sprecher erklärt die einigermaßen abstruse Szenerie auf deutsch. Ein Baritonsolo gibt die Ansprache des Evangelisten an Astolfo wieder, den Rest erzählt der Chor, beides im ursprünglichen Italienisch. Die Vorlage und ihre musikalische Ausgestaltung ergeben also insgesamt eine sehr indirekte und beinahe „schräge“ Hommage an den lokalheiligen Kaiser. Schreier konnte sich hierbei

Josef Schreier