Alexander Glazunov
Meditation in D -major, op.32
for Violin and Piano
IMC , New York 2006
          Nicht mehr im Netz: Rezension vom 15.10.2006 , erschienen in:  das Orchester

Druckfrisch aus dem New Yorker „Musikverlag International Music Company“ liegt die 2006 neu erschienene Meditation, op. 32 von Alexander Glazunov vor. Herausgeber ist kein geringerer als der 1927 in Amerika geborene Weltklassegeiger Aaron Rosand. Rosand hat sich mit dieser Neuausgabe einer lyrischen Miniatur angenommen, wie sie in keinem Zugaberepertoire eines Kammermusikers fehlen darf. Sie stellt ein wunderschönes Beispiel des melodischen und lyrischen Stils der Violinkompositionen des Komponisten dar. Die Komposition erfordert stilistisch den sorgsamen und und subtilen Gebrauch der Portamentotechnik, wie sie das Spiel der großen Violinisten der Zeit wie zum Beispiel Jascha Heifetz und Nathan Milstein, beide Schüler von Leopold Auer, auszeichnete, aber auch eine makellose Bogen- und Lagenwechseltechnik für ein feines cantables Spiel. Rosand selber hat in seiner Ausbildung die großen Violinvirtuosen des beginnenden 20. Jahrhunderts, Eugene Ysaye und Efraim Zimbalist, letzterer ebenfalls  Schüler von Leopold Auer, noch kennengelernt. Er vereint in sich deren geigerisches Vermächtnis und führt so zwei unterschiedliche violinistische Traditionen fort. Der Herausgeber, hat seine  Vorstellung zur Realisation des Stücks im Notentext durch individuelle Fingersätze und Portamentovorschläge, wie sie nach eigener Aussage seinem persönlichen stilistischen Empfinden entsprechen, notiert. Dabei ist der Ausgabe wohltuend anzumerken, dass die technische Bearbeitung aus der Praxis für die Praxis entstanden ist. Die Melodie dieser kleinen musikalischen Kostbarkeit entfaltet sich ausdrucksstark von den tiefen Saiten bis in die hohen Regionen der Violine und gibt dem Geiger in dieser kammermusikalischen Version des Stücks – Glazunov hat es später selbst für Violine und Orchester bearbeitet - die Möglichkeit, das Timbre seines Instruments mit klanglicher Intensität und ausdrucksstark zu präsentieren. Hierbei werden Instrument und Spieler die Fähigkeit abverlangt, auch im Piano- und Mezzobereich klanglich zu überzeugen. Nur in zwei  kurzen Agitato-Phasen bietet sich die Gelegenheit zu einer großen dynamischen Steigerung, um sofort in ein intensives  Piano voller großer innerer Spannung zurück zu kehren. Im Gegensatz zu manch einem für Violine und Klavier bearbeiteten Orchester begleiteten Stück ist dem durchsichtigen Klaviersatz dieser Komposition deutlich anzumerken, dass der Komponist sie zunächst für diese Besetzung konzipiert hat. Beiden Spielern wird ein gut synchronisiertes Rubatospiel abverlangt. Diese musikalische Preziose stellt eine Bereicherung für jedes Repertoire dar.                   Uwe Gäb